Reisebericht vom 08.04.18 Weltumsegelung Wolfgang Boorberg &Crew

11 Apr Keine Kommentare Zeuner Reiseberichte

Liebe Mitglieder,

es gibt Neuigkeiten von unseren Weltumseglern.

Datum 08.04.18

Ihr Lieben zu Hause und anderswo in der Welt,

die Maeva Maris hat am 22. Maerz die Ocean World Marina in Puerto Plata/Dominikanische Republik verlassen, nach einem herzlichen Abschied von Jesus, James und Eddy, dem Hafenkapitän – alles liebe, hilfsbereite Menschen, die während unserer Abwesenheit nach der Maeva Maris geschaut hatten (wie wir sie eigentlich fast überall auf der Welt angetroffen haben). Die Verproviantierung in Puerto Plata war bequem, ein Supermarkt wie bei uns zu Hause, sauber, großzuegig, alles wunderbar für das Auge praesentiert, und erstaunlich billig, vom Obst über die Lebensmittel des taeglichen Bedarfs bis zum Alkohol. Ein weniger schoenes Abschiedsgeschenk der Dominikanischen Republik war eine Fleischvergiftung aus dem mexikanischen Restaurant, wo wir am vorletzten Abend zum Essen waren. Zuerst wird Wolfgang, dann Reiner und zum Schluss auch noch Ingrid krank, jeweils mit einem Tag Verzoegerung, aber mit allem was so zu einer ordentlichen Magen-/Darmverstimmung gehört. Petra und Herwig, die erst am letzten Tag zugestoßen waren, bleiben verschont, dafuer haben sie mit der Seekrankheit zu kaempfen. Also, eine geschwaechte Mannschaft muss wieder dem – wie sollte es anders sein – kräftigen Ostwind trotzen, alles wie gehabt, immer gegenan. Nur mit Unterstützung der Motoren kommen wir voran. Auf der Steuerbordseite begleitet uns eine Gruppe von Walen und später spielt eine Delfinschule um unsere beiden Bugspitzen: Mit einem Katamaran mitschwimmen und dabei tauchen macht auch den Delfinen Spaß!

Am 4. Tag ist Land in Sicht – Puerto Rico: wir ziehen jedoch daran und spaeter an St. Thomas/US-Virgin Islands vorbei, denn die Amerikaner verlangen bei der Einreise einer Crew per Boot ein gültiges Visum, nicht bloss die übliche vereinfachte Einreisegenehmigung (ESTA) wie bei der Einreise mit dem Flugzeug. Und die Strafen sind drakonisch, wenn man kein gültiges Visum besitzt! Der erste Landfall findet also auf Jost van Dyke in den British Virgin Islands statt, da gibt´s keine behoerdlichen Probleme. In der grossen Bucht von Great Harbour faellt der Anker und gleich darauf springen wir in das herrlich warme und glasklare Wasser (für alle, die uns kennen: den Ankerschluck haben wir natürlich nicht vergessen!). Wegen der vielen Inseln in den British Virgin Islands sind es jetzt nur noch kurze Distanzen, so liegen wir schon am naechsten Tag an einer Mooringtonne vor Spanish Town/Virgin Gorda. Petra und Herwig lassen sich vom Kapitaen an Land bringen und machen einen Ausflug nach The Baths im Süden der Insel. Die Landschaft ist spektakulaer, und fuer die Karibik ganz untypisch sind dort riesige Granitbrocken zu finden, gewaltige Kieselsteine, teilweise so gross sind wie ein Einfamilienhaus. Gegenueber, auf Tortola, sind in der Bucht am Flughafens all die vielen vom Hurrikan „Irma“ zerstoerten Yachten buchstaeblich gestapelt – ein trauriger Anblick! Noch schlimmer wird es allerdings spaeter in St. Martin, unglaublich, wie viele Yachten allein dort verlorengegangen sind.

Am nächsten Morgen, kurz nach dem Start, stellen wir fest, dass das Trinkwasser aus ist. Der Kapitän will den Wassermacher in Gang setzen, doch der Hochdruckschlauch platzt. Also zurück und nun doch in den Hafen von Spanish Town, Wasser und dann auch gleich Diesel tanken, denn nun liegt wieder bis St. Martin eine größere Stecke vor uns mit Nachtsegeln, begleitet von einem Gewitter mit Blitz und Donner und dem dazu gehörigen kräftigen Wind. Am 28. Maerz fällt der Anker in der Simpson Bay vor St. Martin – nein, dieser Teil ist Sint Maarten, denn Franzosen und Niederländer teilen sich die Insel, zwischenzeitlich sogar friedlich – die kleinste Insel der Welt, die sich zwei Nationen teilen. 1684 sollen sich ein Franzose und ein Hollaender Ruecken an Ruecken an den Strand gestellt haben, um dann in entgegengesetzter Richtung um die Insel zu laufen. Von dort, wo sie sich trafen, soll die Linie zum Ausgangspunkt gezogen worden sein. Der Holländer hat auf seinem Weg wohl groessere Mengen Genever getrunken und kam deshalb langsamer voran – daher ist der niederländische Teil der Insel kleiner.
Hier in Sint Maarten verlassen uns Petra und Herwig: sie fliegen nach Hause, um Ostern mit der Familie beim Skifahren zu verbringen – was für ein Gegensatz zum Segeln in der Karibik! Die kleine Mannschaft mit Wolfgang, Ingrid und Reiner segelt weiter nach Süden und diese Mal sogar bei Vollmond! Am 31. Maerz machen wir am Customs Dock in Jolly Harbour, Antigua, fest. Hier müssen wir einklarieren. Der Kapitän pilgert zur Immigration, zu Customs, wieder zurück zur Immigration
Hin und her geht es, was ist los? Nach den Schiffspapieren haben 5 Personen auf der Maeva Maris Puerto Plata verlassen, nun sind nur noch 3 Personen an Bord – wo sind die beiden weiteren Personen verblieben? Ausgesetzt auf hoher See? Verunglückt? Kleinlaut gesteht der Kapitän, dass wir, ohne in Sint Maarten einzuklarieren, 2 Personen dort abgesetzt haben. Aber wie konnten Petra und Herwig auf dem Flughafen von Sint Maarten ausreisen, ohne dass sie dort eingereist sind? Sie werden doch nicht etwa schwarz an Land gekommen sein, Bootsflüchtlinge? Aber das interessiert uns nicht mehr, zumal Herwig und Petra bereits ihre glückliche Heimkehr gemeldet haben. Wir genießen jedenfalls zwei herrliche Tage in der luxurioesen Marina auf Antigua. Antigua ist sozusagen das Yachtzentrum der Karibik. Man merkt, dass die Yachtbranche mit zahlreichen Serviceunternehmen neben dem Tourismus ein wichtiger Wirtschaftszweig fuer die Insel geworden ist.

Nun sind es nur noch vier Etappen, die vor uns liegen, die erste bis Anse Deshaies/Guadeloupe, wo wir nach 75 Seemeilen in der Nacht ankommen und ankern, vorbei an der Nordspitze von Guadeloupe mit Fallwinden bis zu 25 kn (gegenan!), die zweite bis Les Saintes südlich von Guadeloupe (nochmals im warmen Wasser gebadet), vorbei an Dominica – hier hat die Zeitschrift „Yacht“ vor einem Stopp gewarnt wegen zwischenzeitlich vieler Ueberfaelle der total verarmten und von Tropenstuermen geplagten Bevoelkerung, dann erreichen wir bei herrlichstem Segelwetter Martinique, wo wir vor St. Pierre an der Nordwest-Spitze der Insel ankern. St. Pierre war ehemals die Hauptstadt der Insel und kultureller Mittelpunkt der Franzoesischen Antillen. Die voellige Vernichtung durch den Ausbruch des Mont Pelée im Jahr 1902 war eine der größten Naturkatastrophen der Karibik und brache der Stadt den traurigen Beinamen „Pompeji der Karibik“ ein. Es gab nur einen einzigen Ueberlebenden und der sass ausgerechnet im Gefaengnis. Die letzte Etappe führt uns nach St. Lucia, und dann sind wir nach zwei Jahren wieder zurück in der Rodney Bay. Der Zufall will es, dass gerade hier die WorldARC 2017/2018, eine Rallye rund um die Welt, zu Ende ist und wir einige der Segler wiedertreffen, die 2016 mit uns in St. Lucia gestartet sind und die, wie wir, eine Zeit lang in der Südsee ausgesetzt haben. Natürlich ist die Wiedersehensfreude gross, es gibt viel zu berichten und zu erzählen. Auch in der Runde deutscher Segler, die sich allabendlich an der Bar in der Rodney Bay trifft, sitzen alte Bekannte, die uns herzlich begruessen – wir sind wieder zu Hause!

Mit herzlichen Gruessen aus der sonnigen und warmen Karibik

Wolfgang, Ingrid und Reiner