Reisebericht vom 22.01.18 Weltumsegelung Wolfgang Boorberg &Crew

27 Jan Keine Kommentare Zeuner Reiseberichte

Liebe Mitglieder,

es gibt Neuigkeiten von unseren Weltumseglern.

Datum 22.01.18

Gruesse von der MAEVA MARIS

Ihr Lieben zuhause und anderswo in der Welt,

nachdem die MAEVA MARIS einige Monate in Varadero/Kuba gelegen hat und den Jahrhundert-Hurrikan IRMA dank der unermuedlichen Hilfe unseres kubanischen Freundes Boris Labrada ohne groessere Schaeden ueberstanden hat, hat sie am 9. Januar die schoene, unverstaendlicherweise leere Marina Gaviota in Varadero in Richtung Osten verlassen. Den ersten Versuch im Maerz 2017, die Windward und Leeward Islands zu erreichen, hatten wir wegen des Wetters und einiger technischer Probleme seinerzeit abbrechen müssen.

Der Abschied von unseren Freunden in der Marina Gaviota, die so viel für die MAEVA MARIS insbesondere waehrend und nach dem Hurrikan IRMA getan haben, ist ihnen und uns sehr schwer gefallen – es sind sogar einige Traenen gekullert. Wir wollten Boris, unseren Freund und fleissigen Helfer, bis St. Lucia mitnehmen. Reisepass? 100 US-Dollar, aber sonst kein Problem, die Erlaubnis zur Mitreise jedoch – Fehlanzeige! Ueber Wochen haben ihn die Behoerden hingehalten: Morgen kommt der oberste Chef und trifft eine Entscheidung. Doch der oberste Chef kam nie! Wahrscheinlich dachten die Behörden, wer Kuba den Ruecken gekehrt hat, kommt nie wieder – hoch lebe der Sozialismus!

Nun sind wir – Wolfgang, Ingrid und unsere Freunde von der Yachtvereinigung Kormoran, Andreas und Heike Hertle – also unterwegs. Vom ersten Tag an haben wir Wind aus O bis SO, mal mehr, mal weniger, aber das ist genauso schlecht, wenn das Ziel in oestlicher Richtung liegt. Gleich in der ersten Nacht kam entgegen den Vorhersagen Sturm mit bis zu 40 kn Wind auf – natuerlich aus SO – dazu Regen, so richtig zum Eingewoehnen auf einen Urlaubstoern. Danach hatten wir endlich etwas Sonne und motorten vorbei an Cayo Coco und Cayo Romano, zwei kubanische Ferienparadiese (nur fuer Touristen), die aber durch den Hurrikan IRMA schwer in Mitleidenschaft gezogen wurden. Cayo Coco wurde durch den Hurrikan total platt gemacht; alles, einschliesslich des Flughafens, ist zerstoert. Beim Passieren der Insel haben wir viele Baukraene gesehen, der Wiederaufbau laeuft also. Auch in Varadero hatten wir bemerkt, dass fuer Touristen viel gebaut und repariert wird. Die Fahrt ins Hinterland zeigt dagegen noch enorme Schaeden. Neben dem Nickelexport bringen die Touristen eben die meisten Devisen. Vor allem Kanadier verbringen in Kuba ihre Ferien. Als wir Heike und Andreas am Flughafen in Varadero um 17 Uhr abholten, kamen anschliessend noch vier Maschinen aus Kanada.

Kuba ist etwa 1.000 km lang und verlaeuft grob gesehen von W nach SO – gleichgültig ob man die Insel noerdlich passiert oder suedlich, um zu den Windward und Leeward Islands zu gelangen, die Richtung ist immer ungefaehr SO und gerade daher kommt der Wind, es ist zum Verzweifeln. Aehnlich liest sich das Logbuch: Fock gesetzt, Fock geborgen, StB-Maschine an, StB-Maschine aus, Genua gesetzt, Genua geborgen, BB-Maschine an, Fock gesetzt usw. usw. Endlich am 11. Januar erreichen wir den Old Bahama Channel, und das mit 1,5 kn Schiebestrom, aber das StB-Ruder fuktioniert ploetzlich nicht mehr – wieder i.O. gebracht, die Hydraulik ist defekt, und das noch mehrere Male die naechsten Tage – Tage? Nein, immer in der Nacht! Inzwischen muessen wir unsere Reservekanister umfuellen und noch gut 500 sm sind es bis Sint Maarten. Von dort aus wollen Andreas und Heike am 21. Januar den Rueckflug antreten. Wir muessen aufkreuzen, zwischendurch immer wieder ein heftiger Squall – trotzdem, die Stimmung an Bord ist bestens. Nach dem soundsovielten Ruderdefekt holen wir in der Nacht die Segel ein und lassen uns treiben – so gut wie in dieser Nacht haben wir lange nicht geschlafen – aber bei SO-Wind geht es leider immer ein paar Meilen zurueck.

Von Haiti halten wir Abstand und nach dem Ruder streikt nun zur Abwechslung auch mal der Backbord-Motor. Um Motor und Mannschaft ausruhen zu lassen, drehen wir nachts bei. Von lautem Motorengeraeusch werden wir geweckt und in nur 30 m Entfernung faehrt ein Schiff vorbei (Fischer?), offenbar neugierig, wer sich da mutterseelenallein auf See ohne Fahrt herumtreibt. Am Morgen dann 4 Stunden Suchen und Basteln und der Backbord-Motor laeuft wieder. Ein bisschen Korrosion an einer Sicherung war der Uebeltaeter. Alle 30 Minuten zieht ein Squall durch mit Starkwind aus SO und heftigen Schauern. Sint Maarten werden wir so nie und nimmer vor dem 21. Januar erreichen, neues Ziel ist deshalb Punta Cana an der Ostkueste der Dominikanischen Republik und unser lieber Stefan in Hamburg bucht auch gleich die Rueckfluege fuer Heike und Andreas auf Punta Cana um, sie erhalten sogar Geld zurueck(!) – das hebt die ohnehin gute Stimmung an Bord noch einmal. Nachdem wir in der Nacht wieder mit Motorunterstuetzung aufkreuzen muessen, macht uns der Dieselvorrat Sorgen, der Stunde um Stunde weniger wird. Am 17. Januar trifft der Kapitaen die Entscheidung: wir laufen in Punta Plata ein (Nordkueste Dominikanische Republik, gleich hinter der Grenze zu Haiti). In der Ocean World Marina nahe Punta Plata tanken wir auf und finden dort einen preislich guenstigen Liegeplatz. Die Marina ist relativ klein, recht leer, sehr sauber, bestens bewacht, und Reparaturmoeglichkeiten sind auch vorhanden. Bei den freundlichen und stets laechelnden Menschen fuehlen sich die MAEVA MARIS und wir gut aufgehoben. So haben wir bei allem Pech mit dem Wetter doch wieder eine ganze Portion Glueck.

Bei einer Ausfahrt nach Puerto Plata (ca. 350.000 Einwohner) spricht uns freundlich ein Mann an: „Ich habe gestern in der Marina gearbeitet, ich kenne Euch!“ und er fuehrt uns durch die historische Altstadt, in die Kathedrale (mit noch vielen Schaeden vom letzten Erdbeben) und in das Bernsteinmuseum – richtig! Wie in der Ostsee findet man hier Bernstein mit wunderschoenen Einschluessen von Kleinsttieren, Blaettern und Wurzeln. Unser Fuehrer Pedro spricht bestens Deutsch: jeden Sonntag nach der Kirche nimmt er zwei Stunden Deutschunterricht!

So, nun liegt die MAEVA MARIS also nach 700 Seemeilen bestens vertaeut und dreifach gesichert in der Ocean World Marina und wartet auf uns, um voraussichtlich im Maerz ihre Reise Richtung St. Lucia fortzusetzen.

Herzliche Gruesse aus der warmen, (manchmal) sonnigen und unbeschwerten Karibik

Wolfgang, Ingrid, Heike und Andreas
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