Reisebericht vom 02.10.2016 Weltumsegelung Wolfgang Boorberg &Crew

4 Okt 1 Kommentar Zeuner Reiseberichte

Liebe Mitglieder,

es gibt Neuigkeiten von unseren Weltumseglern.

 

Datum:        02.10.2016
Betreff:        Gruesse von der MAEVA MARIS

Ihr Lieben zu Hause und anderswo in der Welt,

wir sind den 4. Tag auf See, rund um uns tiefblaues Wasser und blauer Himmel, leichter Wind (wie schoen fuer Ingrid und Micha) und herrlicher Sonnenschein, aber der Reihe nach:

Von der Emirates Airline verwoehnt, sind wir ueber Dubai nach Sydney geflogen, wo wir uns mit Micha getroffen haben. Micha hatte unwahrscheinliches Glück, er kam von Bangkok ebenfalls mit der Emirates und da das Flugzeug recht leer war, wurde er in die „First“ upgegraded – und staunte, was es an Luxus im Flugzeug  so alles gibt. Doch in Sydney war mit Luxus Schluss, unser Weiterflug nach Suva – im Suedosten der Insel Viti Levu/Fidschi wurde einfach gestrichen und der Ersatzflug nach Nadi im Suedwesten der Insel ging schon eine Stunde früher – ein Glück, dass wir noch rechtzeitig informiert wurden. Micha wartete schon am Gate und wir bekamen dort unsere Ersatzbordkarten Sydney – Nadi und weiter Nadi – Suva mit einer kleinen zweimotorigen Maschine. Micha – wohl noch nicht oft genug mit dem Flugzeug unterwegs – hatte keinen Weiterflug nach Suva und musste, zusammen mit anderen Passagieren, 4 Stunden mit dem Taxi von Nadi nach Suva fahren. Dafuer konnte er schon ausserhalb von Suva aussteigen, nachdem wir ihn informiert hatten, dass wir im Novotel von Suva zwei Zimmer buchen konnten. Wie es das Schicksal will, die Maeva Maris wurde in der gleichen Nacht von Suva nach Denarau (in der Naehe von Nadi) umgelegt, wo sie jeweils fuer einen Tag einen Liegeplatz hatte. Wir haben aber die Gelegenheit genutzt und uns Suva angesehen: obwohl Hauptstadt des Inselreiches, ist Suva ein kleiner, ueberschaubarer Ort, recht sauber, aber der Tourismus ist auf einige ausserhalb liegende Hotels beschraenkt. Der groesste Teil der Bevölkerung ist ausserordentlich freundlich: mit strahlenden Augen und einem Laecheln im Gesicht wird man mit „Bula“ begruesst.

Die Ureinwohner von Fidschi kamen vor 3.500 Jahren wohl aus dem Raum Suedostasien – nachgewiesen ist das bis heute nicht.  Erster Europaer war der hollaendische Kapitaen Tasman, der jedoch nicht an Land ging, denn die Fidschianer waren Kanibalen!!! Der Allesentdecker im Pazifik, James Cook, fand die suedlichen Inseln von Fidschi (insgesamt sind es ueber 330 Inseln, davon sind etwa 105 bewohnt) und schliesslich folgte ihm Kapitaen William Bligh, der von den Meuterern der HMS Bounty ausgesetzt worden war. Nach einer Zeit politischer Wirren, in der sich Häuptlinge, europäische Siedler und von Osten kommende Tonganer befehdeten, nahm die britische Krone im Jahr 1874 das „Geschenk“ des Königs von Fidschi an und Fidschi gehörte zum Commonwealth. Allerdings hatte sich der Koenig von Fidschi dabei gedacht, dass die britische Krone damit auch die Schadensersatzzahlung von 43.000 US-Dollar begleichen wuerde, die der amerikanische Konsul nach Diebstählen und Brandstiftungen forderte – weit gefehlt! Durch die von den sogenannten „zivilisierten“ Laendern eingeschleppten Krankheiten wie Cholera und Masern  starb ein Grossteil der Bevoelkerung und fremde Arbeitskraefte, insbesondere Inder, kamen auf die Inseln. Noch heute bildet die indischstaemmige Bevoelkerung fast 40% der Gesamtbevoelkerung. Eine Vermischung von Fidschianern und Indern findet wegen der unterschiedlichen Kulturen und Religionen kaum statt. Die cleveren Inder beherrschten bald den Zuckerrohrhandel und damit das Hauptgeschaeft von Fidschi. Seit 1970 ist Fidschi unabhaengig und seitdem ist von Putsch zu Putsch mal ein Inder, mal ein Fidschianer Regierungschef. 2006 putschte das Militaer erneut unter dem Vorwand, die Putsch-Kultur ein fuer allemal zu  beenden. Commodore Frank Bainimarama liess eine Verfassung erstellen und in den demokratischen Wahlen 2014 gewann seine Partei „Fidschi First“ – seitdem ist (mehr oder weniger) Ruhe!!!

Nach zwei Naechten in Suva fuhren wir mit dem Taxi (Taxifahren ist hier preiswert – der Benzinpreis ist noch nicht einmal halb so hoch wie bei uns) ueber die halbe Insel nach Denarau, in der Nähe von Nadi. Endlich wieder auf der MAEVA MARIS! Micha und ich besorgten den Proviant und der Kapitaen erledigte auf dem Flughafen Nadi stundenlang den Papierkram wegen des Crewwechsels. Dabei wurde uns erst einmal richtig bewusst, welchen Vorteil wir durch die Teilnahme an der WorldARC von der Karibik bis Tahiti hatten, die uns die ganzen muehsamen und zeitraubenden Behoerdengaenge abgenommen hatte. Berge von Formularen sind auszufuellen, Kopien der Paesse und alles natuerlich bei unterschiedlichen „Aemtern“, schliesslich Ausklarieren in Vuda, wo wir nur einen Ankerplatz bekommen, drei Stunden ist Wolfgang unterwegs und fuer den Rest der Mannschaft ist Baden angesagt.
Dann also geht es endlich am 30. September nachmittags los und wir schlaengeln uns bei schoenstem Wetter und leichtem Wind durch die unzaehligen Riffe und Inseln im Westen von Viti Levu. Erst gegen Abend erreichen wir freies Wasser und jetzt geht’s Richtung Vanuatu, die meiste Zeit unter Gennaker und Grosssegel, teilweise lassen wir es aber auch gemütlich angehen und segeln raumschots nur mit Fock und Gennaker. Die Genua koennen wir leider nicht setzen, da der elektrische Furler defekt ist – macht nichts, dann sind wir eben ein bisschen langsamer.
Gestern hatte Micha sein grosses Erfolgserlebnis: ein fast ein Meter langer Mahi Mahi hing an der Angelleine und der wird heute am Sonntag, den 2. Oktober, unser Festessen!

Herzliche Gruesse von Bord der MAEVA MARIS senden

Wolfgang, Ingrid und Micha