Reiseberichte vom 20.01.,03.02. und 03.03.2016 Weltumsegelung Wolfgang Boorberg &Crew

8 Apr Keine Kommentare Zeuner Reiseberichte

Es gibt Neuigkeiten von unseren Weltumseglern,

diesmal gleich 3 Reiseberichte auf einmal.

 

Datum:        22.01.2016 05:43
Betreff:        Gruesse von der MAEVA MARIS


Ihr Lieben zu Hause und anderswo auf der Welt,
am 15.1.2016 um 3:43 Uhr hat die MAEVA MARIS aus St. Lucia kommend die Ziellinie vor der Marina Santa Marta in Kolumbien passiert, empfangen und in die Marina geleitet von der Coast Guard, wo uns die stets hilfsbereiten Mitarbeiter des World Cruising Club halfen, am Steg festzumachen. Der Sektkorken stieg wie ueblich in die Hoehe und trotz der fruehen Stunde haben wir unseren ersten Anlegeschluckauf dieser Reise genossen. Der Wind waehrend der 815 Seemeilen von St. Lucia nach Santa Marta war maessig, erst am letzten Tag hat er aufgefrischt und waehrend wir kurz vor Einbruch der Dunkelheit noch gemuetlich bei einem Daemmerschluck zusammen sassen, hoerten wir ploetzlich einen lauten Knall und dann ein unangenehmes Zischen: die Lieken des Spinnakers waren gerissen und daraufhin auch der gesamte Spinnaker quer durch. Ein trauriges Bild bot sich uns: der obere Teil des Spinnakers wehte mitsamt Bergeschlauch weit hinaus auf das Meer und der untere Teil, festgehalten von den Schoten, driftete unter das Boot. Mit viel Muehe und noch viel mehr Kraft konnten wir alle Teile wieder an Bord ziehen und verstauen. Wir sind bei Weitem nicht die einzigen, die den Verlust ihres Spinnakers betrauern, andere hatten noch mehr Pech und bei einem der Boote aus der Flotte, der "Take Off", ist sogar der Baum gebrochen und das Großsegel gerissen. Der oertliche Segelmacher ist mit den Auftraegen der WorldARC-Teilnehmer restlos ausgebucht. Heute brachte er den reparierten Spinnaker zurueck; nach dem Preis zu urteilen, hat er mit den Reparaturen das Geschaeft seines Lebens gemacht.
Die erste Einladung des WCC war ein BBQ in Bahia Concha im Tayrona National Park. Wir wurden mit Bussen dorthin gebracht und waehrend der einen Stunde Fahrtzeit aus dem Zentrum der Grossstadt Santa Marta durch die Armenviertel am ausgedehnten Stadtrand hinaus in den Nationalpark konnten wir einen Eindruck von der grossen Armut im Land gewinnen. Diese bedrueckenden Lebensverhältnisse sind fuer uns kaum vorstellbar und alle Fahrgaeste im Bus waren geradezu schockiert. Das Fahrtziel, die Bahia Concha, ist eine grosse, geschuetzte Bucht, rundum ein feinkörniger Sandstrand und tuerkisfarbenes, angenehm warmes Wasser. Wir wurden mit koestlichen einheimischen Gerichten bewirtet, haben uns gesonnt und das kristallklare, 28 Grad warme Wasser genossen.
Am Sonntag, den 17.1.2016, haben wir zusammen mit drei Oesterreichern aus der Flotte eine privat organisierte Fahrt nach Cartagena gemacht. Da die Fahrt dorthin 4 Stunden dauert, war der Start auf 6 Uhr morgens festgelegt worden. Die Fernverbindungen, die aber stets durch die Staedte verlaufen und nicht wie bei uns aussen herum, sind zuweilen sehr gut, so dass der Busfahrer die geltende Hoechstgeschwindigkeit von 80 km/h wohl als Durchschnittsgeschwindigkeit verstanden hat. Die Fahrweise der Kolumbianer ist generell verwegen und die Hupe staendig im Einsatz. Es ging vorbei an Kolumbiens groesstem Industriehafen in Barranquilla und schließlich erreichten wir die modernen Hochhaeuser von Cartagena. Cartagena ist als Wohn- oder Feriensitz international ausserordentlich beliebt, so sind die qm-Preise für Wohnungen inzwischen mit denen von Manhattan vergleichbar. Cartagena ist seit 1984 UNESCO-Weltkulturerbe. Die praechtigste und beruehmteste Hafenstadt Spanisch-Amerikas war das Verbindungstor zwischen Neugranada, wie die spanischen Besitzungen in Suedamerika hiessen, und der Alten Welt. Hier wurden Gold, Silber und Edelsteine der Indianer eingelagert, bevor die kostbare Fracht nach Europa verschifft wurde. Hier betraten fast alle afrikanischen Sklaven zum ersten Mal suedamerikanischen Boden - in Ketten. Der Ruhm war so gross, dass raubgierige Korsaren und Freibeuter nicht ausblieben. Jean-Francois de La Rocque de Roberval, Sir John Hawkins und viele andere beruechtigte Seeraeuber attackierten die Stadt. Sir Francis Drake pluenderte Cartagena im Jahr 1586, Jean Baptiste du Casse im Jahr 1697. Dem wollten die Spanier einen Riegel vorschieben und liessen Sklaven in jahrhundertelanger Schufterei die bis heute vollstaendig erhaltenen, monumentalen Festungsanlagen bauen. Cartagena war die erste Stadt in Suedamerika, die sich vom spanischen Mutterland lossagte und der in Suedamerika allseits hoch verehrte suedamerikanische Freiheitskaempfer Simon Bolivar verfasste hier im Jahr 1812 sein "Manifest von Cartagena".
Natuerlich haben wir auch eine Fahrt zu einer Kaffeeplantage gemacht, zumal gerade jetzt (von Dezember bis Februar) Haupterntezeit ist. Erstaunlich viele Wasch- und Trockenarbeitsgaenge bedarf  es, bis die koestlich duftende Tasse Kaffee vor uns steht.
Vorgestern Abend waren wir zu einer Abschiedsfeier mit Preisverleihung für den ersten Regattaabschnitt eingeladen. Wir waren vollkommen ueberrascht, dass die MAEVA MARIS in der Multihull-Klasse den ersten Preis gewonnen hat. Gestern um 12 Uhr sollte der Start zur 2. Etappe bis zu den San Blas Inseln in ca. 280 sm Entfernung stattfinden. Aber der Hafenkapitaen hatte den Hafen fuer alle Schiffe wegen Sturm geschlossen - kein Boot durfte auslaufen! Also Startverschiebung bis heute frueh um 8 Uhr.
Jetzt also sind wir wieder unterwegs bei 40 kn achterlichem Wind, das sind 8 - 9 Beaufort!
Wir senden Euch herzliche Gruesse aus der warmen Karibik in das winterliche Deutschland
Ingrid, Wolfgang, Silvia, Hermann und Ulrike


Datum:        03.02.2016 03:02
Betreff:        Gruesse von der MAEVA MARIS


Hallo, Ihr Lieben zu Hause und anderswo in der Welt,
hier meldet sich wieder die Maeva Maris mit einem neuen Bericht von Bord. Also, uns geht es gut und wir geniessen die Freiheit auf dem Wasser mit den geplanten Aufenthalten an Land.
Wie berichtet, sind wir am 21.1. um 8 Uhr frueh in Santa Marta, Kolumbien, bei Starkwind - oder besser gesagt: Sturm -  in Richtung San Blas-Inseln gestartet. Am folgenden Tag liess der Wind nach und wir konnten die 280 Seemeilen dieser Etappe bei 20 bis 30 kn Wind absolvieren. Am 23.1. ging die Maeva Maris um 6:45 Uhr ueber die Ziellinie und, nachdem es hell geworden war, fiel der Anker vor den Islas Maqui, Cayos Holandes, San Blas, und die Mannschaft sprang in das warme, azurblaue Wasser. Durch die Startverschiebung in Santa Marta um einen Tag war das Programm für die San Blas-Inseln leider etwas eng. Gleich am naechsten Tag war das Treffen der gesamten Flotte auf der Insel Chichime angesagt. Bei unserer ersten Weltumsegelung war Chichime ein beeindruckendes Highlight fuer uns, besonders die Kuna-Indianer mit ihrer Eigenstaendigkeit und ihrer traditionellen Lebensweise. Mit gemischten Erwartungen fuhren wir mit dem Beiboot an Land und unsere Befürchtungen wurden leider weit übertroffen. Durch die idyllische Lage von Chichime mit zwei geschuetzten Ankerbuchten kommen mittlerweile unzaehlige Yachten hierher - inzwischen sogar Tagesausflugsboote vom Festland - und alle lassen leider ihren Muell zurueck. Nun liegt er auf dieser wunderschoenen Insel und bildet zusammen mit dem Muell der Kuna-Indianer fast schon eine richtige Muellhalde. Zwar werden die Muellberge immer wieder verbrannt, jedoch wohl nur teilweise, vielleicht aus Angst vor einem Grossfeuer, denn eine Feuerwehr gibt es hier natuerlich nicht. Die leichteren Teile des Muells verteilt der Wind ueber die ganze Insel und ueber das Meer, wo man ihn an den Korallenriffen wiederfindet. Die Grünen aus Deutschland haetten hier wahrhaftig ein reiches Betaetigungsfeld!
Augenscheinlich wird die Insel Chichime von drei Grossfamilien bewohnt, die jede einen eigenen Bezirk auf der Insel haben. Jede der Familien bietet den Touristen Verpflegung in einfachster Form, meist frisch gefangenen Fisch, an - wir durften einen herrlich zubereiteten Hummer verkosten.  Drei kleine, neue und zusammenhaengend gebaute Huetten haben wir bei einem Rundgang gesehen. Es war jedoch nicht erkennbar, ob diese Fremden als Unterkunft angeboten oder von den Kuna selbst bewohnt werden. Leider ist jetzt auch Campen auf der Insel erlaubt; so haben wir eine ganze Reihe von Rucksack-Touristen in kleinen Zelten dort angetroffen, die vor allem zum Kite-Surfen die Insel aufsuchen.
Kaum zurueck an Bord naeherte sich uns eines der typischen Einbaumboote der Kunas und Wolfgang hat auf diesem Boot sofort Venancio, den bekanntesten Molaverkaeufer erkannt, der auch die schoensten und kunstvollsten Molas anbietet. Er war sichtlich geruehrt, als wir ihn gleich mit Namen ansprachen und antwortete hoeflich, dass er auch uns wiedererkennen wuerde. Mit dem den Kuna eigenen Stolz praesentierte der kleine Mann - die Kuna sind nach den Pygmaeen die kleinste Menschenrasse auf der Welt - seine schoenen Molas. Die Molas sind farbenprächtige Textilkunstwerke der Kuna-Frauen, die normalerweise ihre Blusen zieren. Das einzigartige, zu Beginn vielleicht etwas naiv erscheinende "Textilgemälde" fasziniert bei naeherer Betrachtung durch versteckte Motive, durch das Farbenspiel und nicht zuletzt durch die Individualitaet und Kreativitaet, die im Muster zum Ausdruck kommt. Für die Herstellung der Molas verwenden die Kuna-Frauen die Technik der umgekehrten Applikation. Die Muster werden dabei mit der Schere aus mehreren farblich unterschiedlichen, uebereinander gelegten Tüchern ausgeschnitten und anschliessend in millimeterkleinen Stichen mit farblich abgestimmtem Faden gesaeumt. Die Motive lassen meist Voegel, Schildkroeten, Fische, Affen und Blumen erkennen, oft auch geometrische Figuren, die Symbole aus der magischen Welt der Kuna bedeuten. Fuer die Herstellung einer Mola benoetigt eine Kunafrau zwischen 40 und 70 Stunden, die sich auf mehrere Wochen verteilen.
Zum Einklarieren mussten wir zur Insel Porvenir verlegen. Schon im Morgengrauen sind wir in Chichime aufgebrochen, mussten "Heidi 2", ein Schweizer Boot aus der Flotte, wecken, weil sie auf unserer Ankerkette lag, und liessen den Anker direkt vor der kurzen Landebahn des Flugplatzes von Porvenir fallen. Die Landebahn wurde bei einem Tropensturm im letzten Jahr teilweise zerstört und deshalb ist der Flugplatz fuer den Flugverkehr derzeitig gesperrt. Kaum dass wir das Ankermanoever abgeschlossen hatten, meldete sich ueber Funk die hinter uns liegende Yacht, sie sei zum Ankerholen bereit, aber wir lägen auf ihrer Kette. Also wieder "Anker auf", ein grosser Bogen um das hinter uns liegende Boot und neues Ankermanoever. Bereits am Vortag hatte der WCC darauf hingewiesen, fruehzeitig und nur in kleinen Gruppen zum Einklarieren zu erscheinen, da der Zollbeamte stets wegen Arbeitsueberlastung zusammenbricht, wenn er fuenf Antragsteller oder gar mehr sieht. Unser Kapitaen raffte in aller Eile die Paesse und Borddokumente zur Einklarierung zusammen, fuhr mit dem Beiboot zur Insel und war tatsaechlich der fuenfte Antragsteller am Schalter. Doch an diesem Tag hatte der Zollbeamte vorsorglich schon mal vor der Arbeit eine Pause eingelegt und hat - um einem Zusammenbruch aus dem Weg zu gehen - in aller Seelenruhe die Stempel in die vorgelegten Paesse gedrueckt. Nach ca. drei Stunden waren alle Einreiseprozeduren ueberstanden und wir haben unseren ob der schweren Arbeit erschoepften Kapitaen mit einem von Hermann kreierten Cocktail empfangen und in geselliger Runde einen kuehlen Trunk geschluerft. Ploetzlich wurden wir mit Rufen, Pfiffen und einem lauten Horn vom Nachbarboot darauf aufmerksam gemacht, dass die Maeva Maris auf ein Riff zu treiben drohte. Tatsaechlich, der Anker hatte nicht gehalten und obwohl der Kapitaen hat sofort beide Motoren startete und Vollgas gab - oh Schreck, es war zu spaet, wir kamen aus eigener Kraft nicht mehr vom Riff frei. Ein Paerchen auf dem Nachbarboot knuepfte bereits eine lange Leine, das Dingi eines anderen Segelbootes brachte diese zu uns herueber und mit der Kraft unserer beiden Motoren und dem des Nachbarbootes kamen wir wieder frei - welche Erleichterung! Die beiden Boys vom Dingi bekamen als Belohnung einen Drink bei uns an Bord und das Paar vom Nachbarboot, der "Kinabalu" aus Singapur, haben wir zum Abendessen an Bord eingeladen. Er, ein Schotte, und sie, eine Australierin, lebten und arbeiteten zuletzt 18 Jahre in Singapur, zuvor überall in der Welt, darunter auch zwei Jahre in Deutschland, in Graefelfing bei Muenchen. Die Rettungsaktion der "Kinabalu" endete in einem ausgesprochen geselligen, unterhaltsamen und feuchtfroehlichen Abend.
Am 27.1. gab es den ersten Crewwechsel an Bord, deshalb mussten wir vorzeitig in die Shelter Bay Marina in der Naehe von Colon. Naehert man sich aus der Karibik kommend dem Festland von Panama, so beeindruckt das vielfältige Gruen der Berghaenge - alle Nuancen sind zu sehen, vom fast schwarzen Gruen des Regenwaldes bis zum leicht flueszierenden Hellgruen der Nonibaeume. Ein malerisches Kunstwerk der Natur.
Die Shelter Bay Marina liegt hinter dem riesigen Wellenbrecher an der Einfahrt in den Panama-Kanal. Eine schmale, betonnte Fahrrinne fuehrte uns zu einer herrlichen Marina, die mit Pool und Restaurant aufwarten kann. Hier trafen sich wieder alle Boote der international gemischten WorldARC-Flotte  und jedes wurde mit freudigem Hallo begruesst. Hier in Colon mussten wir unsere Vorraete auffuellen. Auf den vor uns liegenden Las Perlas-Inseln kann man naemlich keine Einkaufe taetigen, auf den Galapagos-Inseln ist alles recht teuer und erst Ende April werden wir in Tahiti sein.
Auf dem Programm stand auch ein Ausflug zu den Embera-Indianern, die, obwohl so nahe der Zivilisation, ihre urspruengliche Eigenstaendigkeit erhalten wollen - kein Fernsehen, kein Telefon und wegen des Lebens in einem Naturschutzgebiet ist ihnen Tierhaltung, mit Ausnahme von Hühnern, untersagt ebenso der Anbau von Getreide, Mais o.ae. Zwei Mal in der Woche haben sie Besuch von Touristen und können ihre handwerklichen Produkte wie Schmuck, Tiermasken, geflochtene Teller und Körbe und anderes verkaufen. Die Fahrt auf dem Rio Chagres ist dieses Mal viel kuerzer als bei unserem letzten Besuch vor sechs Jahren, bis zum Wasserfall kommen wir mangels Wasser nicht. Weil es in der letzten Zeit zu wenig geregnet hat, wird das aufgestaute Wasser des Rio Chagres zur Auffuellung des Gatun-Sees benötig, mit dem er durch ein Roehrensystem verbunden ist. Das Wasser des künstlichen Gatun-Sees benoetigt man wiederum fuer die Schleusen, die zum Schutz der Anlage nur mit Suesswasser betrieben werden. Fuer eine Schleusenkammerfuellung benoetigt man 100.000 Kubikmeter  Wasser! Ohne die kraeftigen Regenfaelle und die fuer das Wassersystem des Kanals unentbehrlichen Waldreservate an seinen beiden Seiten koennte der Panamakanal nicht 24 Stunden pro Tag das ganze Jahr hindurch betrieben werden. Der Zu- und Abfluss in den Kammern (bei der Gatunschleuse sind es drei hintereinander folgende Schleusenkammern) erfolgt ohne Pumpen ueber die am Boden und in der Wand befindlichen Öffnungen in nur 10 Minuten. Die ca. 250 m lange und 30 m breite Schleusenkammer wird von einem Frachtschiff voellig ausgefuellt, oft reicht kaum eine Hand zwischen Bordwand und Schleusenkammerwand. Um die Stabilitaet eines Schiffes in der Schleusenkammer waehrend des Hebens bzw. Senkens zu gewaehrleisten, werden kleine Diesellokomotiven, die sog. Mulas, eingesetzt, die ueber Stahlseile mit dem jeweiligen Schiff verbunden sind. Auf dem Kanal herrscht Einbahnverkehr, der am Morgen und am Mittag die Richtung wechselt. Waehrend der gesamten Durchfahrt muss mindestens ein Kanallotse an Bord sein.
Auch wir erhalten jeweils einen Lotsen auf jedem Boot, obwohl wir aus drei Booten ein Paeckchen bilden. Ganz wichtig fuer diese Lotsen ist ihre Verpflegung, denn die uns zugeteilten Lotsen sind alles junge Maenner in Ausbildung, die recht wenig verdienen und fuer die Essen und Trinken eine zusätzliche Bezahlung bedeuten. Wir treffen uns am Nachmittag am Ankerplatz Flat F im Vorschleusenbereich, uebernehmen den Lotsen und es werden jeweils drei Yachten zu einem Paeckchen zusammengebunden. Bei uns ist die "Lydia" in der Mitte, ein Monohull aus Grossbritannien, wir sind an Backbord und an Steuerbord befindet sich die "Kiwi Beanz", ebenfalls ein Katamaran, mit gemischter Mannschaft aus Neuseeland, England und Deutschland. Wir benoetigen keine Mulas, bei uns werfen die Hafenarbeiter die Leinen mit den "Affenfaeusten" (Knoten am Ende) millimetergenau zu. Nach der Passage durch die drei Schleusenkammern der Gatun-Schleuse uebernachten wir, festgemacht im Paeckchen an einer Muringtonne, im Gatunsee und am fruehen Morgen geht es weiter durch diesen See zur Pedro Miguel-Schleuse und anschliessend durch die zweistufige Miraflores-Schleuse (mit der Webcam und den Bildern von uns direkt zu Euch ins Wohnzimmer). Wir haben Euch fleissig gewinkt und uns vorgestellt, Ihr winkt zurück. Nun noch unter der Puente de Las Americas hindurch und wir sind im Pazifik.
Wolfgang und Ingrid verlassen nun fuer kurze Zeit die Maeva Maris, sicher untergebracht in der Flamenco Marina in Balboa, und fliegen zurück ins angeblich winterliche Deutschland. Wolfgang wird am 11.2. wieder an Bord sein, dann geht es weiter nach Galapagos.
Herzliche Gruesse von der Maeva Maris mit neuer Mannschaft
Wolfgang, Ingrid, Hermann, Silvia, Wolle und Julia

 

Datum:        03.03.2016 22:04
Betreff:        Gruesse von der Maeva Maris


Ihr Lieben zuhause und anderswo auf der Welt,

die Maeva Maris ist auf ihrem Weg durch den Pazifik ein ganzes Stueck weitergekommen, nachdem sie  am 11. Februar Panama verlassen hat. Nach einem kurzen Aufenthalt auf den Islas Las Perlas ging es bei flottem Wind und strahlendem Sonnenschein in Richtung Galapagos. Je naeher wir aber unserem Ziel kamen, desto schwaecher wurde der Wind und am Schluss mussten wir gar 26 Stunden motoren. Beim Ueberqueren des Aequators (ehrlich gesagt: kurz danach, denn das aufregende Ereignis fand bei Nacht statt) stieg Neptun aus den Fluten und taufte zwei Mitsegler nach gruendlicher Pruefung und gebotener Reinigung auf die Namen Wolle, Ritter von Balboa und Panama, und Julianissima, Perlenprinzessin von Contadora.

Nach sechs Tagen erreichten wir die oestlichste Insel der Galapagos, San Cristobal, und nachmittags fiel der Anker in der Bahia Baquerizo Moreno. Kaum angekommen, erschien ein ganzes Kommando von Behoerdenvertretern, acht an der Zahl, die sich um unseren Cockpittisch draengten, teils in Uniform, teils ohne, um gewichtige Amtshandlungen vorzunehmen. Ungluecklicherweise wollten wir gerade essen und deshalb stand eine geoeffnete Flasche Rotwein auf dem Tisch, was uns der Hoeflichkeit wegen veranlasste, den Offiziellen ein Glas anzubieten. Das liessen die sich nicht zwei Mal sagen und ruckzuck war die Flasche leer und die naechste war dran. In gelockerter Atmosphaere wurden sodann die wichtigen Amtshandlungen seitens der Zoll-, Einwanderungs-, Gesundheits- und sonstiger Behoerden vorgenommen, d.h. alle Vorraete wurden geprueft (nicht dass wir vergammelte Lebensmittel an Bord haben!), die Arzneimittel und die Rettungsmittel wurden daraufhin untersucht, ob sie noch nicht verfallen sind, die vorgeschriebenen Aushaenge („DO NOT THROW GARBAGE INTO THE SEA“, „NO BLACKWATER INTO THE SEA“) wurden registriert und eine Unzahl von Fragen musste beantwortet werden – alles zur groessten Zufriedenheit. Zwischendurch erschien ein Schlauchboot mit zwei Tauchern, die den Rumpf der Maeva Maris untersuchten und natuerlich einige Dosen Bier erhielten, nachdem sie festgestellt hatten, dass das Unterwasserschiff blitzsauber war. Unsere Getraenkevorraete wurden sehr stark dezimiert! Zu unserer Ueberraschung erschienen am naechsten Morgen noch einmal wichtige Amtstraeger, sechs an der Zahl, dieses Mal von der Hafenbehoerde, die ebenfalls wichtige Amtshandlungen vornahmen und wohl von der grosszuegigen Bewirtung auf der Maeva Maris gehoert hatten, denn sie griffen beim Bier ebenfalls ungeniert zu. Danach erhielten wir endlich die Erlaubnis, an Land gehen zu duerfen.

Die Tage auf San Cristobal nutzten wir fuer Ausfluege ueber die Insel, waren auf einer Aufzuchtstation fuer Riesenschildkroeten, kletterten auf einen erloschenen Vulkan und kaempften unentwegt gegen die Seeloewen, die meinten, die Maeva Maris gehoere ihnen. Schon in der ersten Nacht hatten wir ungebetenen Besuch, trotz unserer Barrikaden aus Leinen und Fendern am Heck. Einer der Seeloewen machte es sich gar am Steuerstand gemuetlich und verschwand erst unter Protestgebruell ueber die Bordwand, als wir ihm ernsthaft zuleibe rueckten. Das hielt aber andere Seeloewen nicht davon ab, die Heckplattformen als Nachtlager zu benutzen. Kaum hatten wir einen dieser Stinker an Backbord verscheucht, tauchte er an Steuerbord wieder auf. Wenigstens das Cockpit konnten wir seeloewenfrei halten, indem wir uns mit allem verbarrikadierten, was zur Hand war – mit Wasser gefuellte Eimer, Dieselkanister, Dingitank u.a. Am Schluss wurden wir ziemlich rabiat und hielten uns die Tiere mit Bootshaken vom Leibe, aber die Nachtruhe war natuerlich immer dahin.

Am 21. Februar segelten wir die 42 Seemeilen nach Santa Cruz, wo wir vor Puerto Ayora den Anker fallen liessen. Die Hauptstadt der zu Ecuador gehoerenden Provinz Galapagos ist zwar San Cristobal, das wirtschaftliche und touristische Zentrum ist jedoch Santa Cruz, das inmitten der Inselgruppe liegt. In Santa Cruz verliessen uns Wolle und Julia, aber die Crew wurde wieder aufgefuellt durch Heike und Sigi, die jetzt mit an Bord sind. Sigi brachte, bravouroes organisiert von Ingrid, fuer unseren Segelfreund Christoph von der SOLO zwei Lichtmaschinen, einen Ersatzpropeller und diverse Unterlagen der Werft mit, insgesamt mehr als 18 kg Gepaeck, und schleuste alles ungeprueft durch den Zoll in Guayaquil, wo schon Hermann auf ihn wartete, um alles nach Santa Cruz zu bringen, denn in Guayaquil darf man nur ein einziges Gepaeckstueck auf dem Flug nach Santa Cruz mitnehmen. Viel Aufwand, aber er hat sich gelohnt: Die SOLO kann nun wieder ihren Motor starten!

Von Puerto Ayora aus machten wir den einen oder anderen Ausflug ueber die Insel. Besonders beeindruckend war der 850 Meter lange Lavatunnel, waren die Riesenschildkroeten, die marinen Leguane und die Pelikane, nicht zu vergessen natuerlich die Seeloewen, die sich allerorten herumtreiben. Ein Bootsausflug nach Santa Fe, einer Insel in der Naehe von Santa Cruz, fuehrte uns zur „Kinderstube“ der Seeloewen, einer langgezogenen Bucht, wo die Seeloewenbabies ihre ersten Schwimmversuche machen, bewacht von aelteren Seeloewen, die die stets hungrigen Haifische in Schach halten, die sich gar zu gerne ein Seeloewenbaby einverleiben. Es war ein unglaubliches Erlebnis, mit den verspielten Seeloewen zu schwimmen und zu tauchen! Apropos Tauchen: Wolfgang nutzte die Gelegenheit, um an einem Tauchausflug zu den Gordon Rocks noerdlich von Santa Cruz teilzunehmen – ein wahres Taucherparadies mit Hammerhaien, Galapagos-Haien und einem Manta mit einer Spannweite von gut sieben Metern, der mit seinem riesigen offenen Maul direkt unter Wolfgang dahinzog. Die Tierwelt auf den Galapagos ist schon atemberaubend!

Am 2. Maerz startete die Flotte Richtung Marquesas-Inseln – gute 3000 Seemeilen liegen vor uns. Leider sorgt ein Hochdruckgebiet ueber den Galapagos dafuer, dass wir keinerlei Wind haben und nun schon seit 24 Stunden motoren. Wir befinden uns eben in den Rossbreiten, so genannt, weil die Besatzungen der Segelschiffe in frueheren Zeiten waehrend langer Flauten die mitgefuehrten Pferde schlachteten und verspeisten. Da haben wir es dank wohlgefuellter Kuehlschraenke doch um einiges besser!

Herzliche Gruesse

Wolfgang, Silvia, Hermann, Heike und Sigi